Bullet Journal für Anfänger
— wie fange ich an?

Alles unter einen Hut bekommen, fokussierter und produktiver sein, Ordnung ins Gedankenchaos bringen: das alles klingt doch sehr verlockend. Es sind die Versprechen eines Bullet Journals. Ich selbst führe ein solches „Bujo“, zu sehen auf meinem Instagram-Account @cayaline und bin von der Methode absolut begeistert. Ich habe mitbekommen, dass bei vielen eine Art Angst/Unsicherheit besteht, damit anzufangen. Deshalb zeige ich dir heute, wie du step by step mit deinem persönlichen Bullet Journal anfangen kannst.

Was ist ein Bullet Journal eigentlich?

Ein Bullet Journal ist ein flexibles Tool zur Selbstorganisation. Es besteht aus einem leeren Notizheft, üblicherweise mit Punktraster. Natürlich funktioniert es auch mit einem linierten, karrierten oder sogar blanko Notizbuch, aber das Punktraster ist eine beliebte Orientierungshilfe beim Gestalten. Du kannst in deinem Bujo nach einem selbstgewählten System die Seiten so gestalten, dass sie dich im Alltag bei deinen Aufgaben und Terminen, aber auch bei deiner Zielerreichung und Selbstreflexion unterstützen. Das Schöne ist: Du kannst es jede Woche anpassen und so gestalten, wie es gerade Sinn macht.

Du weißt also grob, was ein Bujo ist, hast ein leeres Buch vor dir und findest nicht so recht den Anfang, weil dich die vielen Ideen und Möglichkeiten auf Instagram und Pinterest komplett überfordern? Willkommen an Board, ich glaube so geht es den meisten, bevor die ersten Seiten gestaltet sind.

Bullet Journal Material

Welches Bullet Journal soll ich kaufen?

  • Für Gestalter und Anfänger: Wenn du in deinem Bujo auch gerne mit Stiften, Markern und Farben gestalten möchtest, rate ich dir, auf dickes Papier zu achten, wo nichts durchblutet. Deshalb habe ich mich persönlich für das Lemome A5 Bullet Journal mit Punktraster entschieden. Preislich ist dieses Bujo mit 11,99€ auch toll, wenn du noch nicht sicher bist und erst mal keine große Investition machen möchtest. Links ist außerdem eine praktische Stiftschlaufe, wo ich immer einen schwarzen Fineliner zum Schreiben drin stecken habe.
  • Für Pragmatiker: Wenn du ganz pragmatisch nur mit einem Fineliner oder Kugelschreiber arbeitest, reicht auch dünneres Papier. Sehr beliebt ist das punktkarierte A5 Notizbuch von Leuchtturm.

Welche Stifte brauche ich?

  • Einen schwarzen Fineliner, der gut schreibt und nicht verschmiert. Wie dick der Stift schreiben soll, hängt sehr vom persönlichen Empfinden ab, deshalb empfehle ich, am Anfang ein kleines Set zu kaufen und sich durchzuprobieren. Staedler ist eine qualitativ hochwertige Marke und bietet ein solches Set günstig an: Staedler-Pigment-Liner-Set.
  • Meine Kombi: Für alle Outlines benutze ich den LePen 0.5 Drawing Pen (absoluter Favorit!!) und zumSchreiben den Staedler 0.3 Pigment Liner
  • Marker: Wenn du gerne farbliche Akzente setzen möchtest, kannst du das wunderbar mit den Tombow ABT Dual Brush Pens. Für den Anfang empfehle ich ein paar helle Farben (Tombow ABT 6er Set Pastellfarben) und schwarz (Tombow ABT Dual Brush Pen Black).

STEP 1
WOFÜR MÖCHTEST DU DEIN BUJO BENUTZEN?

Ich glaube, die meisten Startschwierigkeiten beruhen auf ungetroffenen Entscheidungen. Ein Bullet Journal kann sehr viele Funktionen haben und zwingt uns damit auch, zu überlegen und zu entscheiden, was wir eigentlich wollen. Die Flut an Möglichkeiten ist grenzenlos:

  • To-Do-Liste
  • Terminkalender
  • Essens-Planer & Rezeptesammlung
  • Selbstreflexion & Achtsamkeit
  • Familienplaner
  • Habit-Tracker
  • Haushaltsplanung
  • Projektmanagement
  • Stundenplan, Notenübersicht
  • Meeting-Notizen
  • Finanzplaner
  • persönliche Weiterentwicklung

Tipp: Als kleine Starthilfe kannst du dir folgende Fragen stellen:

  1.  Was hat dir bei anderen Kalendern bisher gefallen oder gefehlt?
  2. In welchen Bereichen möchtest du dich gerne weiterentwickeln?
  3. Mit welchen Dingen hast du im Alltag öfter Schwierigkeiten?

Was du in deinem Bujo haben möchtest, kann sich mit der Zeit verändern und erweitern. Es ist auch möglich, ein Bullet Journal für ein ganz spezifisches Ziel anzulegen, zum Beispiel nur für die Arbeit/Uni oder als reinen Familien-Planer. Für mich persönlich liegt der Sinn darin, alles an EINEM Ort zu bündeln: ein Kopf, ein Tool. Aber auch das hat sich erst so entwickelt. Am Anfang wollte ich einzig und allein ein Reflexions-Tool entwickeln und auf keinen Fall Seiten umblättern müssen. Heute ist das Bullet Journal mein Haupt-Organisations-Tool und die ganze Methode macht für mich immer mehr Sinn. Inzwischen habe ich mich auch ans Blättern gewöhnt.

STEP 2
DIE ERSTEN SEITEN ANLEGEN

Ich habe damals ganz intuitiv mit einer Wochenübersicht gestartet und vorne ein paar Seiten freigelassen. Möchtest du für den Anfang lieber etwas strukturierter vorgehen als ich, empfehle ich dir dieses Grundgerüst, das ich inzwischen auch selbst verwende:

Das Grundgerüst

   1. Inhaltsverzeichnis

  • 1-2 Doppelseiten
  • sinnvoll bei Bujos mit Seitenzahlen

   2. Jahresübersicht

  • 2-3 Doppelseiten
  • für die langfristige Planung

   3. Monatsübersicht

  • 1-2 Doppelseiten
  • beginne einfach mit deinem Startmonat, das kann auch mitten im Jahr sein

   4. Wochenübersicht

  • 1 Doppelseite
  • die Einzeltage sind bei mir auf der Folge-Doppelseite

Zusätzlich habe ich noch eine Doppelseite mit ungeordneten Notizen des jeweiligen Tages, mein sogenannter „Brain dump“. Mit diesen Elementen kannst du schon gut die Bujo-Methode anwenden. Solltest du damit noch nicht vertraut sein, kann ich dir dieses Buch sehr empfehlen:

Tipp: Irgendwo weiter hinten kannst du auch noch eine Seite anlegen, auf der du Stifte erst einmal testen kannst. So lässt sich überraschendes Durchbluten auf deinen Hauptseiten vermeiden.

Rapid Journaling System

Um im Bullet Journal schnell arbeiten zu können, legt man sich ein kleines Inventar an Symbolen an. Das Auge kann so direkt beim Überfliegen der Seite wichtige Punkte entdecken, bei denen Handlungsbedarf besteht. Die absoluten Basics sind Aufgabe, Notiz und Termin. Lege dir nicht zu viele Symbole an, sonst wird es kompliziert.

Bleibe Flexibel

Mit dem Grundgerüst ist noch nichts in Stein gemeißelt. Es geht hier in erster Linie darum, einen Anfang zu finden, wenn du völlig überfordert von den Möglichkeiten bist. Es kann passieren, dass das klassische Bujo-System nicht dein Ding ist, du daraus aber in einigen Wochen ein tolles Tool entwickelst, das dann perfekt zu dir passt: dein eigener kleiner Assistent.

Das ist in meinen Augen gerade das Schöne am Bullet Journal: Es ist kein vorgedruckter Kalender, der entweder funktioniert oder nicht, sondern das Bujo entwickelt sich mit dir. Probiere verschiedene Layouts aus. Behalte bei, was hilfreich ist und passe an, was für dich nicht funktioniert.

Ich gestalte persönlich immer nur eine Woche im Voraus. Und diese Wochenübersicht hat noch kein einziges Mal genauso ausgesehen, wie die Woche davor. Ich liebe es, mich immer wieder zu fragen, worauf ich gerade achten möchte oder wie ich meine To-Do’s in dieser Woche am besten strukturiere.

Auf keine Fall solltest du mehrere Monate oder gar das ganze Jahr „vorarbeiten“, um Zeit zu sparen. Damit ginge der Sinn eines Bujos komplett verloren und du würdest dich in ein Korsett zwingen, was vielleicht in zwei Wochen schon nicht mehr passt.

Step 3
Easy peasy Gestaltungs-Elemente

Ok, ja. Es soll auch schön aussehen!

Theorie der Methode hin oder her, du bist wahrscheinlich hier gelandet weil du von wunderschönen Bullet Journals inspiriert bist. Auch wenn die Gestaltung kein MUSS ist, ich habe schon echt Spaß daran!

Von schlichten, minimalistischen Übersichten bis zu bunten Bastelbüchern ist in der Community alles vertreten. Wie soll dein Bullet Journal also aussehen? Möchtest du Zeichnungen und Handletterings einbeziehen und dich mit Stempeln und Stickern austoben? Soll lieber alles clean, ordentlich und strukturiert aussehen? Erlaubt ist was gefällt und auf Pinterest und Instagram gibt es einen riesigen Pool an Inspiration zur Gestaltung.

Frage dich aber unbedingt auch, was du ganz realistisch regelmäßig zeitlich umsetzen kannst und willst.

Schönschrift als Voraussetzung?

Auf keinen Fall. Aber es ist schon praktisch, wenn du deine Schrift auch nach einigen Wochen noch lesen kannst. Falls du große Probleme damit hast, gewöhne dir an, in Druckbuchstaben zu schreiben. Da ist man etwas langsamer, die Schrift wird dadurch aber lesbarer. Letterings und besondere Schriften können das Journal optisch natürlich sehr bereichern.

Wie du aber auch mit einfachen Mitteln schöne Ergebnisse erzielen kannst, zeige ich dir hier:

Einfache Headlines

Für den Anfang tun es bereits Großbuchstaben in Kombination mit einem bunten Marker. Damit kann wirklich jeder schon eine ganze Reihe interessanter Headlines kreieren.

Einfache Listen

Ebenso kann man mit wenig Mitteln auch schon eine Liste interessant machen. Ich habe hier den LePen Drawing Pen und einen grauen Tombow ABT Dual Brush Pen verwendet. Mit einfachen Headlines und Listen kann man bereits die meisten Layouts gestalten!

Fazit

That’s it! Bullet Journaling ist keine Doktorarbeit und macht auch schon mit einfachen Mitteln richtig Spaß. Ich habe dadurch meine ganzen Projekte und Ideen viel besser im Griff, komme um einiges leichter ins Handeln und erreiche erheblich mehr Ziele als vorher. Und zwar ganz einfach, weil ich mit meinem Bujo einen Ort habe, an dem ich meinen Mental Load auskippen kann – und ein System, um dieses Gedankenchaos zu strukturieren.

Ich hoffe, ich konnte dir brauchbare Tipps an die Hand geben, um dir den Einstieg zu erleichtern. Ich meine: Hey, das sind die ersten Schritte zu deinem eigenen kleinen persönlichen Assistent! 🙂

Benutzt du bereits ein Bullet Journal? Welche Tipps hast du für den Anfang?
Worüber würdest du gerne mehr erfahren?

Ich freue mich über euer Feedback!

Eure Carolin